Zeitgenössische Musik in der Schule

Das Klassenzimmer als Klang- und Kompositionsraum

Zeitgenössische Musik in der Schule

Raumklangkompositionen, klingende Alltagsgegenstände, Improvisationen – die Ausdrucksformen zeitgenössischer Musik sind vielfältig und bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte für die eigene kreative Praxis. Dieses Potenzial zu nutzen ist das Anliegen von Zeitgenössische Musik in der Schule.

Schüler_innen experimentieren mit Klängen und Geräuschen, und zwar voraussetzungsfrei, ohrenöffnend, forschend, mit Musikinstrumenten oder umfunktionierten Alltagsgegenständen. Dieser experimentelle Ansatz spricht alle Schüler_innen an – egal ob sie selber musizieren oder nicht.

Das Projekt wurde erstmalig 2004 angeboten und findet alle zwei Jahre statt. Vier Musiker_innen, Komponist_innen oder Ensembles besuchen ab Ende August 2018 acht Schulklassen in Niedersachsen mit eigens für das Projekt entwickelten Unterrichtskonzepten und arbeiten eng mit den beteiligten Lehrern zusammen. Musiklehrer_innen der 5. bis 13. Jahrgangsstufe aus allen Schulformen in Niedersachsen konnten sich bis zum 6. April 2018 um eine Teilnahme bewerben.

Erstmalig ist eine eigens für das Projekt konzipierte kostenlose Fortbildungsveranstaltung für die in der nächsten Runde beteiligten und alle weiteren interessierten Lehrkräfte Teil von „Zeitgenössische Musik in der Schule“. Diese findet vom 27. bis 29. Mai 2018 in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel statt.

Am 20. August 2018 startet die Projektphase mit einer Auftaktveranstaltung im Sparkassenverband Niedersachsen in Hannover, die für die Lehrkräfte und die Künstler_innen Gelegenheit bietet, in das Thema einzusteigen, sich persönlich kennenzulernen und sich über die Wünsche und Termine für die fünf Workshops auszutauschen.

Zum Abschluss der Projekte findet jeweils am letzten Workshoptermin eine Präsentation für Eltern, Schüler_innen, Interessierte in der Schule statt. Am 21. November treffen sich die Beteiligten aller Projekte zu einer gemeinsamen Abschlusspräsentation im Freizeitheim Vahrenwald in Hannover.

„Zeitgenössische Musik in der Schule“ ist ein Projekt der Niedersächsischen Sparkassenstiftung in Kooperation mit der Musikland Niedersachsen gGmbH und dem Niedersächsischen Kultusministerium.

Weitere wichtige Partner sind der Bundesverband Musikunterricht e.V. LV Niedersachsen, der Verband Deutscher Schulmusiker Niedersachsen e.V. (VDS) und Musik 21 Niedersachsen. 

Für das Archiv der Inspirationen werden die Projekte auf der Musikland Niedersachsen Plattform zudem dokumentiert.

 

Künstlerprojekte 2018

Das sind sie - die vier unterschiedlichen Konzepte vom achten Durchgang Zeitgenössische Musik in der Schule. Auch wenn sie inhaltlich sehr verschieden sind, haben sie eins gemeinsam - sie machen neugierig auf Zeitgenössische Musik!


Knistern, Knarzen und Kabelsalat
Klangkunst auf dem Holzpfad

Welche Geräusche und Klänge kann man aus Holz "herauskitzeln"? Welche Auswirkungen haben Materialität, Haptik und Aussehen eines Objektes auf einen Klang? Wir erforschen gemeinsam das Material Holz und bauen klingende, knarzende und knurrende Klangobjekte. In einer gemeinsam erarbeiteten musikalischen Komposition oder Performance wird aus einzelnen Objekten ein hölzernes Orchester. Aus Klängen wird Musik.

Ansgar Silies

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"Zeich mal!" - Ein musikalisches Interaktions- und Improvisationskonzept für die Schule anhand der Komposition "Die Autoritäten"

Wenn Musik eine Sprache ist, dann sind Kompositionen Geschichten, die erzählt werden wollen. Wie klingt es aber, wenn die Musiker auf der Bühne nicht nur Geschichten erzählen, sondern spontan miteinander sprechen, diskutieren und vielleicht sogar streiten? Welche Regeln braucht so ein musikalisches Gespräch und was entsteht, wenn eine Schulklasse musikalisch diskutiert? Diesen Fragen gehen die Schüler*innen anhand des Stücks „Die Autoritäten“ des Komponisten Jörn Marcussen-Wulff nach und beschäftigen sich intensiv mit der Interaktion und Improvisation in der Musik bzw. in der Gruppe.

Jörn Marcussen-Wulff

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Vertikal/Horizontal
Eine musikalische Auseinandersetzung über Maschinen und Naturlaute

Wie klingt die Natur? Wie klingen Maschinen? Anhand dieser Leitfragen entwickeln wir gemeinsam mit den Schüler*innen auf Grundlage der Komposition „Mécanique des passions“ von Maximilian Guth Improvisationen, in denen Umwelt und Industrie als Gegenpole hörbar werden. Zusätzlich beschäftigen sich die Schüler*innen mit einem iranischen Modus, der Material für längere melodische Phrasen liefert. Die Imitation von Vogelrufen und Darstellung von perkussiven Rhythmen auf den (teils) eigenen Instrumenten lässt eine neue, vielschichtige Beziehung zum eigenen Instrument entstehen. Im weiteren Verlauf des Projekts entwickeln die Schüler*innen und Dozenten gemeinsam mögliche formale, dramaturgische Kriterien für die Improvisation und erörtern, inwieweit sich die Darstellung der „Natur“ und der „Maschine“ im dritten Teil musikalisch (und inhaltlich) annähern können. Ziel des Projekts ist nicht die originale Wiedergabe der Komposition, sondern eine neue und eben eigene musikalische Umsetzung der formalen und musikalischen Elementen der Komposition.

Anne Bischof / Maximilian Guth

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Musikerfindung in Beziehung zum Raum

Komposition ist auf Raum angewiesen. Musik findet jederzeit in Räumen statt. Musik
verändert Räume in ihren Eigenschaften als Bezugsrahmen und Kommunikationsorte. Der Unterricht behandelt das Verhältnis von Komposition und Raum. Er befasst sich mit Wahrnehmungsweisen und mit Kompositionsmodellen, die sich als Ausgangspunkte für die Musikerfindung eignen. Unter Querverweisen auf die
neuen gestalterischen Ideen der Bauhaus-Bewegung 1919 entsteht eine
musikalische Raumgestaltung → Bauhaus 2019!

Astrid Schmeling / Matthias Kaul

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Teilnehmende Schulen

Zeitgenössische Musik in der Schule 2018

  • Grußschule Gymnasium am Löwenwall, Braunschweig
  • KGS Bad Bevensen
  • Geschwister-Scholl-Gesamtschule Göttingen
  • Herschelschule Hannover
  • Realschule Wedemark
  • Schule Bispingen
  • Liudger-Realschule Emsbüren
  • Lise Meitner Gymnasium Neuenhaus

Die Künstler 2018

Biographien

c Ansgar Silies

Ansgar Silies (*1979) studierte Szenografie bei Prof. Colin Walker an der Hochschule Hannover. Heute arbeitet er als freier Bühnenbildner, Musiker und Klangkünstler sowie als Lehrbeauftragter für Szenografie an der Hochschule Hannover. Theater- und Filmmusik komponierte er u. a. für das Staatstheater Kassel, Oldenburgisches Staatstheater, Schauspiel Essen, Theater Bonn sowie für den Westdeutschen Rundfunk und den Cornelsen Verlag. Seine Ausstellungen und Klangperformances waren in zahlreichen Kultureinrichtungen im In- und Ausland zu sehen und hören. Ansgar Silies ist Preisträger des Künstlerstipendiums 2009 der Emsländischen Landschaft e.V.

c Simon Schwinge

Jörn Marcussen-Wulff (*1981) ist mehrfach ausgezeichneter Komponist, Arrangeur, Posaunist und Dirigent aus Hannover. Er ist Dozent für Bigbandleitung, Komposition und Arrangement an der Hochschule für Musik und Theater München sowie der HMTM Hannover und leitet zusammen mit Timo Warnecke die professionelle Bigband „Fette Hupe“. Er arbeitet regelmäßig für renommierte Ensembles (z.B. NDR Bigband, Metropole Orchestra, Nationaltheater Mannheim) und ist gefragter Dozent für Workshops und Fortbildungen. Seine Musik steht für den neuen Zeitgeist junger europäischer Arrangeure, die Konventionen aus dem Weg gehen und ihre eigene musikalische Sprache & Ausdruck in dem Format Jazzorchester suchen und finden.

c Markus Wolter

Maximilian Guth  (*1992) wurde als Komponist bereits mehrfach, teils international, ausgezeichnet. Neben seinem Hauptinstrument Klarinette begann er im Alter von 12 Jahren mit dem Komponieren. Ein musikalisches Frühstudium mit Hauptfach Komposition schloss er mit Auszeichnung ab. Nach seinem Abitur studierte er in Hannover Lehramt (Fächer: Musik und Ev. Theologie). Seit 2017 studiert er an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin. Er ist künstlerischer Leiter des internationalen Asambura-Ensembles und des Orchesters der Universitätsmedizin Göttingen Camerata Medica. Im Fokus seiner künstlerischen Arbeit steht die Auseinandersetzung mit anderen Musikkulturen.

c Sebastian Otto

Anne Bischof (*1987) studierte Querflöte am Konservatorium Hamburg und der Musikhochschule Lübeck. Seit ihrem Auslandssemester in Frankreich bei Prof. Mario Caroli, Experte für zeitgenössische Spieltechniken auf der Querflöte, beschäftigt sie sich intensiv mit zeitgenössischer Musik. Sie setzte ihre Ausbildung im Masterstudiengang an der Musikhochschule Hannover fort. Sie ist zudem Absolventin der zertifizierten Weiterbildung „Musik erleben. Musik vermitteln“ an der HfK Bremen. Mittlerweile ist Anne Bischof freiberuflich als Flötistin, Musikvermittlerin, Instrumentalpädagogin und Alexandertechnik-Lehrerin im norddeutschen Raum tätig.

c Regine Heiland

Astrid Schmeling studierte Flöte bei Aurèle Nicolet und Klavier bei Wilhelm Behrens in Freiburg. Gründungsmitglied des Ensembles L’ART POUR L’ART, enge Zusammenarbeit mit den wichtigsten Komponisten unserer Zeit, über 300 Uraufführungen. Gemeinsam mit Matthias Kaul Leitung der Kompositionsklasse L’ART POUR L’ART für Kinder und Jugendliche und der Konzertreihe für zeitgenössische Kammermusik ZuHören in Winsen. Vorstandstätigkeit im Netzwerk Musik 21 Niedersachsen. Zahlreiche hochgelobte CD-Einspielungen (Echo Klassik, Preis der Deutschen Schallplattenkritik), methodische und kompositionspädagogische Publikationen, Konzerte im In- und Ausland.

c Regine Heiland

Matthias Kaul: Zunächst Rock- und Jazzschlagzeuger, dann Schlagzeugstudium, Solistenexamen, zahlreiche Stipendien, Reisen nach Afrika zum Studium der Maasai und Samburu, Gründungsmitglied des Ensembles L’ART POUR L’ART. Zusammenarbeit mit Komponisten und Interpreten wie u.a. John Zorn, David Moss, Carla Bley, Mauricio Kagel, Hans Werner Henze, Vinko Globokar, Hans Joachim Hespos, Alvin Lucier. Tourneen weltweit, CD - Produktionen, Preise und Auszeichnungen für die Einspielungen und andere kulturelle Aktivitäten. Uraufführungen von über 300 Werken anderer Komponisten. Viele dieser Werke entstanden in enger Zusammenarbeit mit Matthias Kaul.

Ihre Ansprechpartnerinnen

 

Für Fragen zur Anmeldung und Dokumentation:

Foto: Nina Weymann-Schulz

Franziska Embach
Dienst für Musikvermittlung
T. 0511 / 642 792 05
E-Mail: embach(at)musikland-niedersachsen.de

 

Für Fragen zur Koordination Künstler - Schulen:

Taru Kastari
Referentin für Musik, Nds. Sparkassenstiftung
T. 0511.360 37 42
E-Mail: taru.kastari(at)svn.de