Welcome Board zu Gast im Klassenzimmer

ein Projekt für alle Schulformen und Altersstufen

Fotos: Helge Krückeberg


Niedersachsen wird bunter. Das ist auch, vielleicht sogar besonders, in der Musik zu entdecken. Um diese wachsende Vielfalt erlebbar zu machen, haben wir als Musikland Niedersachsen gGmbH gemeinsam mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur 2016 das Welcome Board eingerichtet. Mit der gemeinsamen Initiative zur Unterstützung geflüchteter und migrierter Musikschaffender haben wir uns zum Ziel gesetzt, Begegnungsräume zu schaffen, für eine gelebte Offenheit gegenüber Musik und Menschen aus anderen Regionen der Welt einzustehen und zugleich Wege zur nachhaltigen Teilhabe im kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Im Rahmen des diesjährigen Programms »Zu Gast im Klassenzimmer« besuchen Musiker aus dem Netzwerk des Welcome Boards zwischen dem 23. Oktober und dem 8. Dezember 2017 rund 30 Schulklassen aller Schulformen und Altersstufen im gesamten Bundesland (oft auch im ländlichen Raum), um Schülerinnen und Schülern hautnahe Begegnungen mit ihrer Musik, ihren Instrumenten und Biographien zu ermöglichen. Die Musiker stammen aus unterschiedlichen Teilen der Erde wie Syrien, dem Iran oder Senegal. Mit ihren Instrumenten spiegeln sie die Diversität musikalischer Einflüsse wider: von der Oud, Darbouka, Djembé über Daf, Kamantsche, Laute bis zur Kanun und Santur.

Zu Gast in Bad Münder

Walid und Sewar Amer zu Gast in der Grundschule Bad Münder

Diese Künstler ...

... sind in niedersächsischen Schulen unterwegs

Walid Amer (Oud)
Walid Amer wurde 1966 in Kuwait geboren. Seit seiner Kindheit ist Musik seine Leidenschaft und Heimat. Er lernte das Musizieren autodidaktisch mit Hilfe von Büchern und Hörbeispielen. Er spielte in verschiedenen Bands und nahm an zahlreichen Veranstaltungen in seiner Heimat Syrien aktiv teil. 1990 und 2006 erhielt er musikalische Auszeichnungen für seine Aktivität als Musiker. 2007 bis 2015 bot er Musikkurse für Kinder und Jugendliche an und 2011 gründete er seine private Musikschule „Siwar“. Oud ist sein Hauptinstrument, das ihn inspiriert hat, orientalische Musikstücke zu komponieren. Er sagt immer: ich kommuniziere gerne mit Menschen, um Erfahrungen und Kenntnisse auszutauschen. Zugleich ist er – wie auch alle weiteren "Gäste" des Programms – Musiker im Netzwerk des Welcome Boards, einer Initiative des Nds. Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der Musikland Niedersachsen gGmbH zur Unterstützung geflüchteter und immigrierter Musikschaffender.

Hadi Andywi (Darbuka, Riq)
Mit vier Jahren fing Hadi Andywi an, sich für Musik und vor allem die Darbuka zu begeistern. Bereits mit zehn Jahren erhielt er sein erstes Musikdiplom in Syrien. Als Jugendlicher nahm er an verschiedenen Musikfestivals teil, darunter eines in Tunesien. Bei einem Festival in Russland mit Ensembles aus 17 verschiedenen Ländern gewann er mit dem "Orchestra of Syrian Musicians" den ersten Platz. 
Nach dem Abitur studierte er "Business Administration" sowie am "Institute of Music Teachers" in Damaskus. Des Weiteren arbeitete er in einem Musikinstitut als Schlagzeug- und Darbukalehrer. Seit seiner Ankunft in Deutschland spielt Andywi im Musikzug Meine und nimmt dadurch an zahlreichen Festivals und Veranstaltungen teil. Musik hat einen zentralen Stellenwert in Andywis Leben, weil er dadurch seine Gefühle ausdrücken und teilen kann. Besonders interessiert ihn der Austausch mit anderen Musikern, indem man von- und miteinander lernt, sich wechselseitig die jeweils eigene Musik näherbringt, aber auch gemeinsam Neues schafft.

Hesam Asadi (Kamantsche, Daf)
Hesam Asadi wuchs in Sanandadsch, der Hauptstadt der iranischen Provinz Kurdistan, auf. Das Interesse für Musik wurde erst durch einen Kunstlehrer an der Grundschule geweckt. Trotz skeptischer Beobachtung durch seinen Vater – Asadi war und blieb der einzige Musiker in seiner Familie – wechselte er an ein Musikgymnasium, nahm begleitenden Unterricht an der Musikschule Kamkar und ging zum Studium schließlich nach Teheran an die einzige Musikhochschule des Landes. Dort wurde er von seinem Professor an Kamantsche und Daf ausgebildet. Konzertauftritte führten ihn in den Irak, die Türkei und nach Griechenland. Parallel arbeitete er mit einer eigenen Videoproduktionsfirma für verschiedene Fernsehsender (Kurdsat TV, Rojhelat TV, Zagros TV, Roj TV u.a.). Die Veröffentlichung eines regimekritischen Musikvideos zwang ihn jedoch dazu, nicht nur sein Studium kurz vor dem Abschluss abzubrechen, sondern auch das Land zu verlassen. 2015 kam er nach Deutschland. Heute lebt er in Uelzen. Als Musiker ist er mit dem Akustiktrio Edelholz zu erleben. Durch seine Erfahrungen in den Kriegsgebieten des Nahen Ostens hat Asadi es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen mit seiner Musik eine Alternative zum bedrückenden Alltag zu bieten.

Dr. Rami Chahin (Komposition)
Dr. Rami Chahin ist ein syrisch-deutscher Komponist. Seine Ausbildung erhielt er in seinem Heimatland und darüber hinaus in Kuba und Japan, wo er sein Masterstudium im Bereich Komposition (M.A.) in der „Hochschule der Künste Tokio“ bei Prof. Minami Hiroaki und Matsushita Isao abgeschlossen hat. Anschließend promovierte er an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in Musikwissenschaft/Komposition bei Prof. Violeta Dinescu zu den Schwerpunkten Komposition und ihre Theorien in mikrotonaler und spektraler Musik und erlangte den Titel PhD in Musikwissenschaft. Chahin verbindet in seiner Persönlichkeit einen hohen künstlerischen Anspruch mit sozialem Engagement und dem forschenden Interesse an den vielfältigen kulturellen und musikalischen Ausdrucksformen unserer Welt. Ehrenamtlich setzt sich Chahin dafür ein, Menschen mit Behinderung an Musik heranzuführen. Sein musikalischer Stil enthält traditionelle arabische wie zeitgenössische Elemente. Er erhielt mehrere internationale Preise, Stipendien und Auszeichnungen für seine Kompositionen und wissenschaftliche Arbeit, darunter den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), das Monbukagakusho Scholarship (Japan) sowie Stipendien der Friedrich-Ebert-Stiftung und der syrischen Regierung.

Abdallah Ghbash (Oud, Gesang)
Abdallah Ghbash wurde 1988 in Aleppo, einem historischen Zentrum der Musik Syriens, geboren. Früh lernte er, die orientalische Kurzhalslaute Oud zu spielen und erlernte Musiktheorie an einem Institut für Musik. Aufgrund der Kriegssituation verließ Abdallah Ghbash Syrien im Jahr 2012 und ging nach Amman in Jordanien, wo er sein erstes Album („Babbler", 2013) aufnahm. Auf einer langen Reise durch arabische Städte kam er nach Istanbul, erlernte die türkische Tradition des Oud-Spiels und nahm sein zweites Album auf („Expatriate Oud“, 2015). Nach drei Jahren in Istanbul entschied Abdallah nach Deutschland zu gehen. Sein Weg führte über das Mittelmeer nach Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich und schließlich nach Deutschland, wo er im September 2015 ankam. Hier startete er sein Projekt mit der Cellolehrerin der Musikschule Saalfeld Claudia Firl und ihrem Sohn Lukas, der Kontrabass spielt. Das Trio gab in Deutschland bereits eine Reihe von Konzerten. Dort singt er zur Oud vor allem eigene Lieder, bei denen er sich von den deutschen Musikern begleiten lässt. Momentan nimmt das Trio Ghbashs drittes Album („Meaningful Silly Talk", 2017) auf. Er möchte gern in Deutschland bleiben, weil es, wie er sagt, ein großartiger Platz für Musik und Kultur sei.

Houssen Hapach (Schlagzeug, Darbuka)
Seit seiner Geburt 1984 in Aleppo ist Houssen Hapach leidenschaftlicher Musiker. Von klein auf erlernte er als Autodidakt viele orientalische Percussioninstrumente. Er spielt Schlagzeug, Darbuka und Riq, außerdem E-Gitarre. Seine Spezialität liegt in den arabischen Rhythmen. Zwischen 1999 und 2004 gab Hapach regelmäßig Konzerte auf verschiedenen Bühnen Aleppos. Seine Aktivität als Musiker führte er anschließend von 2004 bis 2015 im Libanon in Beirut fort, wo er auch bei Musikveranstaltungen auftrat. Im Jahr 2011 arbeitete er dort nebenbei als Techniker für Telekommunikations-Türme. Hapach möchte gerne Kindern seine Musik und die orientalischen Rhythmen näher bringen.

Renas Ibrahim (Klarinette)
Renas Ibrahim ist 1985 im Nordosten Syriens in Hasaka geboren. In seiner Kindheit kam er dank seines Bruders, der ihm seine ersten Instrumente kaufte, mit der Musik in Kontakt. Zunächst entschied Ibrahim, Nai zu spielen, anschließend Flöte und letztendlich ist er bei der Klarinette gelandet, die er noch heute spielt. 2008 erhielt er am Institut für Musik in Hassaka seinen Abschluss als Musikpädagoge und arbeitete bis 2011 in einer Grund- und Realschule. Von 2011 bis 2013 arbeitete Ibrahim als Pädagoge für irakisch-kurdische Musik bei der Kinderhilfsorganisation "Save the Children" im Irak. Seit Januar 2017 hat er eine ehrenamtliche Tätigkeit als Musikpädagoge in der Kindertagesstätte St. Raphael in Papenburg. Für Renas ist Musik das Leben, Geist und Rückzugsort. Ihm bereitet es Freude, seine Erfahrungen mit Schülerinnen und Schülern zu teilen.

Diarra Konaté (Djembé)
Diarra Konaté ist 1975 in Guinea, Conakry in einer Musikerfamilie geboren. Als er sieben Jahre alt war, brachte sein Vater Famoudou Konaté, damals ein sehr berühmter Musiker, Diarra die Kunst des Trommelns bei. Diarra studierte Buchhaltung in Guinea, arbeitete aber nie in diesem Bereich. Denn Trommeln ist das einzige, was ihm Freude bereitet und sein Leben erfüllt. Überall wurde er von seinem Instrument Djembé begleitet. Auf der Bühne stand Diarra mit Trommelvirtuosen wie Mamady Keita, Fadouba Oularé und Gbanworo Keita. Vor einigen Jahren hat er im MusikZentrum Hannover Workshops gegeben und für die Uni Hildesheim als Trommellehrer gearbeitet. Er möchte gerne seine Musik mit den Schülern teilen, weil „Musik Menschen verbindet, inspiriert und den Charakter bildet“.

Hassan Mahemood
Hassan Mahemood ist ein kurdischer Musiker. Er ist 1992 in Alhasaka in Syrien geboren und studierte Design, Film- und Musikproduktion. Seit zwei Jahren lebt er in Deutschland. Das Musizieren auf der Saz und der Oud hat er sich autodidaktisch beigebracht. Musik ist für Hassan Mahemood das Wichtigste im Leben. Er hat in Syrien Konzerte auf zahlreichen Festivals und in vielen Konzerthäusern gegeben. Neben dem aktiven Musizieren widmet er sich auch Forschungen über kurdische, arabische, türkische und westliche klassische Musik. Er möchte gerne eine Brücke zwischen westlicher und orientalischer Musik bauen.

Das sagen die...

Lehrer*innen:
"Er hat uns nicht nur mit seinem Können auf der Trommel begeistert, sondern er hat es auch gut geschafft, den Kindern ein wenig von seinem Instrument, der Spielart und seinem Land zu vermitteln. Wir haben gemeinsam getrommel und gesungen. Eine wirklich gelungene Aktion."

"Wir Kolleginnen und vor allem auch die Kinder waren total begeistert von Ihrem Workshop. Sie haben die Kinder toll angesprochen und sie alle begeistert! Mindestens die Hälfte möchte jetzt Darbuka als Instrument lernen."

Redakteure:
"Mit vielen Fragen an den Musiker und dem Vorschlag, doch mal bei 'Supertalent' mitzumachen äußerten die Kinder ihre Begeistung und ihr Interesse."

"...die Schüler sind begeistert. Nach Unterrichtsschluss muss Asadi sogar noch Autogramme geben."

Schüler*innen:

Unterrichtsmaterial Welcome Board zu Gast im Klassenzimmer

zum Download


Ablauf

Jeweils ein Musiker macht sich mit seinem Instrument – bei entsprechendem Bedarf von einem Dolmetscher begleitet – auf den Weg zu einer Schule in Niedersachsen. Aufgrund der teils längeren Anreise findet der Schulbesuch am späten Vormittag, ab ca. 11:00 Uhr statt und sollte in eine Doppelstunde eingebettet sein (wir kalkulieren 60 bis max. 90 Minuten je Besuch). Während des Besuchs berichten die Musiker den Schülern sehr persönlich von ihrem Alltag in ihrem Heimatland als Musiker, ihrem Weg nach Niedersachsen, von der Faszination der eigenen Musik auch im Zusammenspiel mit der Musik anderer Kulturen und zeigen virtuos die vielfältigen Klänge ihres Instruments.

Workshop für Lehrerinnen und Lehrer

Um die Begegnungen noch intensiver und nachhaltiger gestalten zu können, bieten wir den beteiligten Lehrkräfte zusätzlich begleitendes Unterrichtsmaterial an. Ein kostenloser Workshop dazu fand am Donnerstag, 31.8.2017 in der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Hannover statt. Der Workshop konnte auch von interessierten Lehrerinnen und Lehrern besucht werden, die in diesem Durchgang keine Zusage für einen Unterrichtsbesuch erhalten haben. Den Ablauf des Workshops finden Sie hier.

Diese Übersetzer ...

... finden immer die richtigen Worte

Salem Jaza
Ammar Zin
Sewar Amer
Fedaa Alhussin
 
 

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des Projekts

Das Programm Welcome Board „zu Gast im Klassenzimmer“ wird gefördert durch das Aktionsprogramm HAUPTSACHE:MUSIK! des niedersächsischen Kultusministeriums.


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