Welcome Board zu Gast im Klassenzimmer

ein Projekt für alle Schulformen und Altersstufen

Fotos: Helge Krückeberg


Niedersachsen wird bunter. Das ist auch, vielleicht sogar besonders, in der Musik zu entdecken. Um diese wachsende Vielfalt erlebbar zu machen, haben wir als Musikland Niedersachsen gGmbH gemeinsam mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur 2016 das Welcome Board eingerichtet. Mit der gemeinsamen Initiative zur Unterstützung geflüchteter und migrierter Musikschaffender haben wir uns zum Ziel gesetzt, Begegnungsräume zu schaffen, für eine gelebte Offenheit gegenüber Musik und Menschen aus anderen Regionen der Welt einzustehen und zugleich Wege zur nachhaltigen Teilhabe im kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Im Rahmen des diesjährigen Programms »Welcome Board zu Gast im Klassenzimmer« besuchen Musiker aus dem Netzwerk des Welcome Boards zwischen April und Dezember 2018 rund 50 Schulklassen aller Schulformen und Altersstufen im gesamten Bundesland (oft auch im ländlichen Raum), um Schülerinnen und Schülern hautnahe Begegnungen mit ihrer Musik, ihren Instrumenten und Biographien zu ermöglichen. Die Musiker stammen aus unterschiedlichen Teilen der Erde wie Syrien, dem Iran oder Senegal. Mit ihren Instrumenten spiegeln sie die Diversität musikalischer Einflüsse wider: von der Oud, Darbouka, Djembé über Daf, Kamantsche, Laute bis zur Kanun und Santur.

Zu Gast in Bad Münder

Walid und Sewar Amer im Dezember 2017 zu Gast in Bad Münder

Diese Künstler ...

... sind in niedersächsischen Schulen unterwegs

Hadi Andywi (Darbuka, Riq)
Mit vier Jahren fing Hadi Andywi an, sich für Musik und vor allem die Darbuka zu begeistern. Bereits mit zehn Jahren erhielt er sein erstes Musikdiplom in Syrien. Als Jugendlicher nahm er an verschiedenen Musikfestivals teil, darunter eines in Tunesien. Bei einem Festival in Russland mit Ensembles aus 17 verschiedenen Ländern gewann er mit dem "Orchestra of Syrian Musicians" den ersten Platz. 
Nach dem Abitur studierte er "Business Administration" sowie am "Institute of Music Teachers" in Damaskus. Des Weiteren arbeitete er in einem Musikinstitut als Schlagzeug- und Darbukalehrer. Seit seiner Ankunft in Deutschland spielt Andywi im Musikzug Meine und nimmt dadurch an zahlreichen Festivals und Veranstaltungen teil. Musik hat einen zentralen Stellenwert in Andywis Leben, weil er dadurch seine Gefühle ausdrücken und teilen kann. Besonders interessiert ihn der Austausch mit anderen Musikern, indem man von- und miteinander lernt, sich wechselseitig die jeweils eigene Musik näherbringt, aber auch gemeinsam Neues schafft.

 

Bahaa Almansour (Oud, Keyboard, Gesang)
Bahaa Almansour (Oud/Laute, Keyboard, Gesang) ist 1989 in Homs in Syrien geboren. Oud ist sein selbstgewähltes Hauptinstrument, weil er auf ihr arabische und westliche Musik spielen kann. Er kommt aus einer musikalischen Familie und liebt Musik seit seiner Kindheit. Nach dem Abitur absolvierte am intermediären Institut in Homs ein Musikpädagogikstudium und arbeitete im Anschluss daran als Musiklehrer an einem Gymnasium. Seit zweieinhalb Jahren lebt er in Hannover. Aktuell studiert er den Master musik.welt im Center for World Music an der Universität Hildesheim. Mit der Syriana Band ist er regelmäßig auf großen und kleinen Bühnen in ganz Niedersachsen zu sehen. Er spielt in verschiedenen Kooperationsprojekten mit deutschen Orchestern, zuletzt beispielsweise bei „Present in Concert“ im Staatstheater Braunschweig. Seit einiger Zeit schreibt er eigene Lieder. „Musiker werde ich immer sein. Ich atme Musik!“

 

Renas Ibrahim (Klarinette)
Renas Ibrahim ist 1985 im Nordosten Syriens in Hasaka geboren. In seiner Kindheit kam er dank seines Bruders, der ihm seine ersten Instrumente kaufte, mit der Musik in Kontakt. Zunächst entschied Ibrahim, Nai zu spielen, anschließend Flöte und letztendlich ist er bei der Klarinette gelandet, die er noch heute spielt. 2008 erhielt er am Institut für Musik in Hassaka seinen Abschluss als Musikpädagoge und arbeitete bis 2011 in einer Grund- und Realschule. Von 2011 bis 2013 arbeitete Ibrahim als Pädagoge für irakisch-kurdische Musik bei der Kinderhilfsorganisation "Save the Children" im Irak. Seit Januar 2017 hat er eine ehrenamtliche Tätigkeit als Musikpädagoge in der Kindertagesstätte St. Raphael in Papenburg. Für Renas ist Musik das Leben, Geist und Rückzugsort. Ihm bereitet es Freude, seine Erfahrungen mit Schülerinnen und Schülern zu teilen.

 

Mohamad Kalaaji (orientalischer Gesang und Schlagzeug)
Mohamad Kalaaji ist Sänger und Percussionist, kommt aus Damaskus und ist 27 Jahre alt. Sein musikalisches Fachgebiet ist die arabische Tonlehre, die er bei einem der besten Gesangslehrer in Syrien studiert hatte. Er war 2013 Preisträger des bekannten „Sautak Hayat“-Preises in Jordanien, übersetzen kann man diese Auszeichnung als „Deine Stimme ist Leben“. Heute lebt er in Salzgitter. Durch das Welcome Board hat er auch in Deutschland viele Kontakte zu arabischen Musiker*innen geknüpft und seit einiger Zeit singt er in der Band Syriana. Er möchte traditionelle arabische und westliche Musik kombinieren.

 

 

 

Hesam Asadi (Kamantsche, Daf)
Hesam Asadi wuchs in Sanandadsch, der Hauptstadt der iranischen Provinz Kurdistan, auf. Das Interesse für Musik wurde erst durch einen Kunstlehrer an der Grundschule geweckt. Trotz skeptischer Beobachtung durch seinen Vater – Asadi war und blieb der einzige Musiker in seiner Familie – wechselte er an ein Musikgymnasium, nahm begleitenden Unterricht an der Musikschule Kamkar und ging zum Studium schließlich nach Teheran an die einzige Musikhochschule des Landes. Dort wurde er von seinem Professor an Kamantsche und Daf ausgebildet. Konzertauftritte führten ihn in den Irak, die Türkei und nach Griechenland. Parallel arbeitete er mit einer eigenen Videoproduktionsfirma für verschiedene Fernsehsender (Kurdsat TV, Rojhelat TV, Zagros TV, Roj TV u.a.). Die Veröffentlichung eines regimekritischen Musikvideos zwang ihn jedoch dazu, nicht nur sein Studium kurz vor dem Abschluss abzubrechen, sondern auch das Land zu verlassen. 2015 kam er nach Deutschland. Heute lebt er in Uelzen. Als Musiker ist er mit dem Akustiktrio Edelholz zu erleben. Durch seine Erfahrungen in den Kriegsgebieten des Nahen Ostens hat Asadi es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen mit seiner Musik eine Alternative zum bedrückenden Alltag zu bieten.

 

Abdallah Ghbash (Oud, Gesang)
Abdallah Ghbash wurde 1988 in Aleppo, einem historischen Zentrum der Musik Syriens, geboren. Früh lernte er, die orientalische Kurzhalslaute Oud zu spielen und erlernte Musiktheorie an einem Institut für Musik. Aufgrund der Kriegssituation verließ Abdallah Ghbash Syrien im Jahr 2012 und ging nach Amman in Jordanien, wo er sein erstes Album („Babbler", 2013) aufnahm. Auf einer langen Reise durch arabische Städte kam er nach Istanbul, erlernte die türkische Tradition des Oud-Spiels und nahm sein zweites Album auf („Expatriate Oud“, 2015). Nach drei Jahren in Istanbul entschied Abdallah nach Deutschland zu gehen. Sein Weg führte über das Mittelmeer nach Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich und schließlich nach Deutschland, wo er im September 2015 ankam. Hier startete er sein Projekt mit der Cellolehrerin der Musikschule Saalfeld Claudia Firl und ihrem Sohn Lukas, der Kontrabass spielt. Das Trio gab in Deutschland bereits eine Reihe von Konzerten. Dort singt er zur Oud vor allem eigene Lieder, bei denen er sich von den deutschen Musikern begleiten lässt. Momentan nimmt das Trio Ghbashs drittes Album („Meaningful Silly Talk", 2017) auf. Er möchte gern in Deutschland bleiben, weil es, wie er sagt, ein großartiger Platz für Musik und Kultur sei.

 

Abdulrahim Aljouja (Riq und Daff)
Abdulrahim Aljouja ist 21 Jahre alt und kommt aus Homs in Syrien. Seine musikalische Reise begann in seinem achten Lebensjahr. Er durfte beim einem der besten Musiklehrer in Homs lernen und er beherrscht heute den Rhythmus des Riq (Tamburins) und des Daff (Pergaments) auf professionellem Niveau. Seit vier Jahren lebt er in Deutschland und er macht eine Ausbildung zum Physiotherapeuten in Hannover. Neben Schule und Ausbildung ist er auf der Bühne tätig. Im „Grins Verein“ in Braunschweig nahm er an theaterpädagogischen Workshops teil, gestaltete später als musikalischer Leiter verschiedene Produktionen und schreibt gerade in einer Zusammenarbeit an einem vierten Theaterstück mit. Mit dem Stück „Wasser. Gesichter. Geschichten.“ der UnitedOFFproductions hatte er Aufführungen in Berlin, Göttingen, Hannover und Braunschweig. „Es ist sehr interessant für mich, meine Ideen und Kenntnisse an andere weiterzugeben. Das ermöglicht schöne Momente des gegenseitigen Verstehens. Beispielsweise vertonte er mit einer Kindergruppe ein deutsches Gedicht mit arabischer Musik oder gibt Jugendlichen Unterricht in Riq und Daff. „Musik ist die einfachste Sprache. Musik gibt mir positive Energie!“.

 

Karam Kasem (Oud)
Karam Kasem ist 32 Jahre alt und spielt Oud. Er ist in Damaskus geboren, kommt aus Salamieh – Hama und hat einen Abschluss an der Albaath Universität Veterinärmedizin gemacht. Seitdem er neun Jahre alt war, spielt er Oud und er hat dieses Hobby nie aufgegeben. Sein Vater motivierte ihn immerzu, seine Begabung weiterzuentwickeln, die seit seiner Jugend sichtbar war. Später leitete er zudem einen Laien-Chor in Salamieh. Außerdem nahm er in Syrien an verschiedenen Konzerten teil. Seit zweieinhalb Jahren lebt er in Deutschland im Landkreis Celle und spielt mit anderen arabischen Musiker*innen in dem Ensemble Ibatahidsch . Er singt im Chor „Cantamus“ des Kirchenkreises Celle. Sein musikalisches Ziel in Deutschland ist es, die orientalische Musik bekannt zu machen und weiterführend strebt er an, eine wunderschöne Mischung aus orientalischer und westlicher Musik zu schaffen.

 

Houssen Hapach (Schlagzeug, Darbuka)
Seit seiner Geburt 1984 in Aleppo ist Houssen Hapach leidenschaftlicher Musiker. Von klein auf erlernte er als Autodidakt viele orientalische Percussioninstrumente. Er spielt Schlagzeug, Darbuka und Riq, außerdem E-Gitarre. Seine Spezialität liegt in den arabischen Rhythmen. Zwischen 1999 und 2004 gab Hapach regelmäßig Konzerte auf verschiedenen Bühnen Aleppos. Seine Aktivität als Musiker führte er anschließend von 2004 bis 2015 im Libanon in Beirut fort, wo er auch bei Musikveranstaltungen auftrat. Im Jahr 2011 arbeitete er dort nebenbei als Techniker für Telekommunikations-Türme. Hapach möchte gerne Kindern seine Musik und die orientalischen Rhythmen näher bringen.

 

 

 

Barzan Hussein (Saz)
Barzan Hussein ist 25 Jahre alt und kommt aus der Stadt al-Hasaka im Norden Syriens und spielt (E-)Saz. Mit fünf Jahren entdeckte er seine Begeisterung für die Musik weil sein Vater ihn zum Saz-Spiel und ihm das Instrument kaufte. Sein Vater unterrichtete ihn und war sein musikalisches Vorbild. Barzan lernte das Instrument, indem er nach ersten motorischen Übungen versuchte, bestimmte Lieder nach Gehör zu spielen. Diese Methode hat sich für ihn bis jetzt bewährt, da es ihm auch beim Improvisieren hilft. Er spielte in einem Trio mit Klavier und Schlagzeug viele Konzerte auf Festivals und in Konzerthäusern in Syrien und kombinierte traditionelle arabische Musik mit modernen musikalischen Einflüssen. Seit zweieinhalb Jahren lebt er in Deutschland und macht auch hier weiterhin Musik, unter anderem mit der Syriana Band.

 

Rawad Bhsas (Oud)
Rawad Bhsas lebt in Hildesheim und arbeitet als Kameramann und Musiker. Er wuchs im Süden Syriens inmitten einer sehr musikalischen Familie auf und erlebte bereits in frühen Jahren viele Konzerte. Im Alter von 16 Jahren lernte er Oud sowie diverse Percussion-Instrumente. Er absolvierte eine Ausbildung zum Kameramann und arbeitete 12 Jahre für das syrische Staatsfernsehen als Reporter und im Bereich von Studioarbeiten. Sein musikalisches Talent nutzte er im Bereich der Klanggestaltung von Filmen. Die Musik war seine ständige Begleiterin. Seit seiner Flucht nach Deutschland ist sie für ihn zur Hauptbeschäftigung geworden: Er spielt Oud in orientalischen Gruppen und im Crossover-Ensemble Arab IKU Jazz. Unter anderem konzertierte er für das Kulturministerium und das Musikland Niedersachsen. Im Rahmen seines Master-Studiums musik.welt möchte er die Möglichkeiten der interkulturellen Kommunikation durch Musik auch mit wissenschaftlichen Fragestellungen vertiefen.

 

Die Förderer

des Projekts 2018

Das Programm "Welcome Board zu Gast im Klassenzimmer“ 2018 wird gefördert durch das Aktionsprogramm HAUPTSACHE:MUSIK! des niedersächsischen Kultusministeriums sowie durch die Klosterkammer Hannover.

Workshop für Lehrerinnen und Lehrer

Um die Begegnungen noch intensiver und nachhaltiger gestalten zu können, bieten wir den beteiligten Lehrkräfte zusätzlich begleitendes Unterrichtsmaterial an. Der nächste kostenlose Workshop dazu findet am Donnerstag, 30.8.2018 in der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Hannover statt. Der Workshop kann auch von interessierten Lehrerinnen und Lehrern besucht werden, die in diesem Durchgang keine Zusage für einen Unterrichtsbesuch erhalten haben. Bitte melden Sie sich noch bis zum 8. August 2018 zum Workshop an!
Der Workshop findet sich auch in der VeDaB unter der Veranstaltungsnr: Musikland Niedersach18.35.01







Das sagen die...

Lehrer*innen:
"Er hat uns nicht nur mit seinem Können auf der Trommel begeistert, sondern er hat es auch gut geschafft, den Kindern ein wenig von seinem Instrument, der Spielart und seinem Land zu vermitteln. Wir haben gemeinsam getrommel und gesungen. Eine wirklich gelungene Aktion."

"Wir Kolleginnen und vor allem auch die Kinder waren total begeistert von Ihrem Workshop. Sie haben die Kinder toll angesprochen und sie alle begeistert! Mindestens die Hälfte möchte jetzt Darbuka als Instrument lernen."

Redakteure:
"Mit vielen Fragen an den Musiker und dem Vorschlag, doch mal bei 'Supertalent' mitzumachen äußerten die Kinder ihre Begeistung und ihr Interesse."

"...die Schüler sind begeistert. Nach Unterrichtsschluss muss Asadi sogar noch Autogramme geben."

Schüler*innen:

Unterrichtsmaterial Welcome Board zu Gast im Klassenzimmer

zum Download

Ablauf

Jeweils ein Musiker macht sich mit seinem Instrument – bei entsprechendem Bedarf von einem Dolmetscher begleitet – auf den Weg zu einer Schule in Niedersachsen. Aufgrund der teils längeren Anreise findet der Schulbesuch am späten Vormittag, ab ca. 11:00 Uhr statt und sollte in eine Doppelstunde eingebettet sein (wir kalkulieren 60 bis max. 90 Minuten je Besuch). Während des Besuchs berichten die Musiker den Schülern sehr persönlich von ihrem Alltag in ihrem Heimatland als Musiker, ihrem Weg nach Niedersachsen, von der Faszination der eigenen Musik auch im Zusammenspiel mit der Musik anderer Kulturen und zeigen virtuos die vielfältigen Klänge ihres Instruments.

Diese Übersetzer ...

... finden immer die richtigen Worte

Salem Jaza
Ammar Zin
Fedaa Alhussin

Partner

des Projekts 2018


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