Labor Orchester

Förderpreis Musikvermittlung 2009

Sommerliche Musiktage Hitzacker

Sommerliche Musiktage Hitzacker

Festival / Wettbewerb

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  • letztes Update: 01.07.2016

Das Konzept zu LABOR ORCHESTER wird von der Gesellschaft der Freunde der Sommerlichen Musiktage Hitzacker e. V. getragen und wurde bei den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker im August 2010 realisiert. Ein Tag, ein Werk – so lautete das Motto. Im Laufe eines Tages wurde an mehreren Stationen eine klassische Komposition auf unterschiedliche Weise vorgestellt und erfahrbar gemacht: mit einem Vortrag über den Komponisten und Hörbeispielen im Rahmen einer Elb-Wanderung, durch Interpretationsvergleiche in einer Podiumsdiskussion, als Klang-Installation in einem begehbaren Orchester, in verschiedenen moderierten Hörstationen, in denen die Besucher das Werk aus der Perspektive einzelner Instrumentengruppen erlebten, und schließlich in einer Konzertaufführung des gesamten Orchesterwerks.


Projektrückblick der Veranstalter: Schubert – ganz nah, ganz neu

„Die Symphonie hat gewirkt wie noch keine zuvor,“ schrieb Franz Schubert über sein großes Werk in C-Dur. Im Projekt LABOR ORCHESTER der Sommerlichen Musiktage Hitzacker 2010 stand diese Sinfonie einen ganzen Tag lang auf dem Programm: vormittags beim Schubert-Spaziergang, nachmittags im Expertengespräch und im „begehbaren Orchester“, abends als Höhepunkt im Konzert. Das Fazit, frei nach Schubert: Die Symphonie hat gewirkt wie nie zuvor.

Mit der Idee zu diesem Projekt folgte Markus Fein dem Credo des Festivals seit 2002: „Neues fundiert hören – Bekanntes neu hören“. Bei einem Werk wie Schuberts „großer C-Dur“ keine bescheidene Aufgabe, denn das Werk gehört zu den populärsten Sinfonien überhaupt. Wie soll man da „neu hören“?

Die Antwort begann bei einer Elbschifffahrt und einem Spaziergang auf dem Deich – freilich nicht zu vergleichen mit Schuberts Wanderungen, aber durchaus ein Weg zum Verständnis dessen, was ihn inspirierte. Michael Kube las aus Schuberts Briefen, erzählte von seinen Wanderungen und Reisen und ließ im elbischen Bauerngarten Tonbeispiele erklingen.

Dass auch Experten unterschiedlich hören, wurde am Nachmittag deutlich: Kube, der Kritiker Ludolf Baucke und der Pianist Konstantin Lifschitz stritten vortrefflich über die Qualitäten verschiedener Aufnahmen der großen Sinfonie. Dies führte zum Orchester: Im Konzertsaal hatten sich die Hamburger Symphoniker nun dort platziert, wo das Publikum sonst sitzt, und das Publikum setzte sich einfach dazu. Was für ein Erlebnis: Jene ersten fernen Takte auf Ohrenhöhe; die Wiederaufnahme des Themas mitten unter den Cellisten; die Aufmerksamkeit, die die ersten Violinen mit einer Stimme sprechen ließ – unvergesslich!

Am Abend: festliche Stimmung im ausverkauften Konzert. Jetzt hatte das Orchester den Weg zur Bühne gefunden und die Hörenden saßen im Parkett. Maestro Hendrik Vestmann öffnete alle Ohren mit letzten Hör-Beispielen, die Instrumentengruppen zeigten, wie differenziert sie ans Werk gehen, und dann: Franz Schuberts Sinfonie C-Dur D 944 in voller Länge. Hörerinnen und Hörer wechselten wissende Blicke an Partiturstellen, die sie seit Jahren „überhört“ hatten, Schubert-Zitate blitzten im Gedächtnis auf, das Stück wurde – ja, doch – neu gehört. Und frenetisch gefeiert. Die Hamburger Symphoniker, Hendrik Vestmann und Ideengeber Markus Fein hatten dem Publikum des Festivals eine bekannte Sinfonie ganz neu geschenkt.